Live in LondonCan You See The Real Me? Mit diesen Worten beginnt der Rockklassiker “Qudrophenia”, mit dem The Who 1973 einmal mehr ein Meisterwerk schufen. Drei Mal ging die Band mit dem Album auf Tour. Nach 1973 und 1996/97 brachten Roger Daltrey und Pete Townshend das Werk über die Modbewegung in den 1960er Jahren 2012 und 2013 wieder auf die Bühnen. Vom letzten Konzert der Tour in der Londoner Wembley Arena am 8. Juli 2013 gibt es nun eine DVD und eine Doppel-CD.

Knapp 126 Minuten sind CD und DVD lang. Und wie immer gibt es mehrere Formate: Doppel-Audio-CD, DVD, Bluy Ray und die Super Limited Deluxe Edition, die alle Formate vereinigt und zusätzlich das Album im 5.1 Surround Mix präsentiert. So oder so sind es 126 musikalisch herausragende Minuten, die die grandiose Neupräsentation des Albums zumindest musikalisch widergeben. Denn visuell können DVD und Blue Ray nicht mithalten. Zwar ist das Bild sehr gut, doch von der Tourband sieht man so gut wie gar nichts. In knapp 80 Prozent der Zeit sind Daltrey oder Townshend im Bild, knapp ein Prozent teilen sich die Musiker, und der Rest zeigt die Hintergrundanimationen während des Konzertes. Auch hat man die Ansagen von Townshend und Daltrey komplett rausgeschmissen. Keine Bandvorstellung – absolut unüblich für The Who – keine Scherze, lediglich ein Thank You nach Tea And Theatre, das war‘s. Darüber hinaus hat man zumindest I’m One gekürzt, denn hier hatte Pete Townshend eine kleine, nicht jugendfreie Textzeile gesungen.

Das alles schadet der Musik nicht. Quadrophenia in der Auflage von 2012/13 ist phantastisch. Die Songs sind kraftvoll, Daltreys Stimme ist überzeugend, und Townshend ist seit vielen Jahren ein absoluter Meister seines Fachs. Dazu gibt es in 5.15 ein Basssolo von John Entwistle, und in Bell Boy singt Keith Moon den Refrain – aufgenommen im Mai 1974.

Erwähnt werden muss, dass am Schlagzeug nicht Zak Starkey sitzt. Während der Europatour hatte Scott Devours von Roger Daltreys Band auf dem Schlagzeugstuhl Platz genommen, und er machte seine Sache ganz hervorragend. Devours spielte fast besser als Zak Starkey und überzeugte völlig. Hörenswert ist das erwähnte Basssolo, bei dem er die Musik vom Band an den Drums begleitet.

Nach Quadrophenia spielten The Who in kleinerer Besetzung noch sechs Who-Klassiker: Who Are You, You Better You Bet, Pinball Wizard, Baba O’Riley, Won’t Get Fooled Again und Tea and Theatre bildeten die Zugabe. Unverständlicher Weise sind diese sechs Songs auf den DVDs von dem Quadrophenia-Teil getrennt, man muss sie eigens ansteuern. Blöder geht es ehrlich gesagt nicht.

Dennoch: Live in London ist faszinierend, The Who präsentieren Quadrophenia so gut wie noch nie. Ein Muss nicht nur für Who-Fans.