Amazing JourneySolide - aber nicht genial. Interessant - aber nicht viel Neues. Auf diese beiden Aussagen lässt sich die neue Who-Dokumentation "Amazing Journey - The Story of The Who" reduzieren, die Anfang November in den USA erschienen ist. In rund 120 Minuten blicken die Regisseure Murray Lerner und Paul Crowder zurück auf die Geschichte der Who und begleiten die legendäre Band von ihren Anfängen im Londoner West End bis zu ihrer heutigen Welttournee. Dabei kommen nicht nur Pete Townshend, Roger Daltrey und John Entwistle selbst zu Wort, sondern auch viele andere Rockstars wie The Edge von U2, Sting oder Pearl Jams Eddie Vedder. Nicht fehlen dürfen die vielen Begleiter der Band, angefangen von Manager Bill Curbishley über Bobby Pridden bis hin zu Keith Moons Mutter.

Das klingt alles ganz spannend, doch Begeisterung mag nicht so richtig aufkommen. Der Film sollte sicher keine Neuauflage von "The Kids Are Alright" werden, doch irgendwie geht einem das ganze Gerede nach einiger Zeit ganz gehärig auf den Geist. Denn - und das ist der Hauptmangel des Films - es gibt viel zu wenig Musik. Dabei sind die Who doch eine Rockband mit einer Fülle von phantastischen Songs! Richtig bedrückend wird das, weil "Amazing Journey" jede Menge tolles Filmmaterial zumindest in kleinen Filmschnipseln bietet: Ausschnitte des Leeds Konzertes 1970, Aufnahmen des Lifehouse-Konzertes vom April 1971 sowie jede Menge unbekanntes Material taucht ab und zu auf, leider aber alles viel zu kurz. Auch die Infos selbst sind nicht wirklich neu. Das allermeiste ist bekannt, wurde häufig genug nacherzählt oder beschrieben. Selbst das Interview mit Who-Manager Bill Curbishley über die Tragödie in Cincinatti, als elf Fans vor dem Konzert starben, kratzt nur an der Oberfläche.

Ist die eigentliche Film-Dokumentation an sich nicht weltbewegend, so sind es auch die vielen Bonus-Features auf der zweiten DVD leider nicht. Mit zwei Ausnahmen: Die DVD enthält erstmals die älteste noch existierende Aufnahme der Who: Der Auftritt der High Numbers im Railway Hotel von 1964 zeigt Daltrey, Townshend, Entwistle und Moon in ganz jungen Jahren. Ebenfalls spannend: exklusive Aufnahmen der Recording Session von "Real Good Looking Boy", das The Who im Jahr 2003 einspielten.

So steht leider außer Frage, dass "Amazing Journey" nicht der erhoffte große Wurf geworden ist. Dabei wäre die Rettung so einfach gewesen, um die Fans ein wenig zu versöhnen: Denn während in den USA die Elektronik-Kaufhauskette "Best Buy" die Doppel-DVD um eine dritte mit dem phantastischen Auftritt der Who am 8. Dezember 1979 in Chicago erweitert, so gucken deutsche Fans hier in die Röhre. Die 93 Minuten des Konzertes fehlen! Doch gerade diese DVD begeistert, bietet sie doch erstmals noch nicht veröffentlichte Live-Songs wie Music Must Change oder das herausragende How Can You Do it Alone. Schade: Diese Bonus-DVD hätte aus dem etwas mauen Paket ein wunderbares für jede DVD-Sammlung gemacht. So aber bleibt es bei solider Hausmannskost.

"Amazing Journey - the Story of The Who" erscheint in Deutschland als Doppel-DVD am 13. Dezember 2007.