Zwei Abende, jeweils 21 Songs, 22 Songs insgesamt. The Who haben bei ihren zwei Konzerten in Deutschland in Oberhausen und Stuttgart restlos begeistert. Wer Townshend und Daltrey bei ihrem wahrscheinlich letzten Gastspiel in Deutschland sah, konnte kaum glauben, dass die beiden Herren 71 und 72 Jahre alt sind. Allen voran Roger Daltrey, der blendend aussah wie immer und obendrein an beiden Abenden phantastisch sang.

Stuttgart, 12. September 2016

Was soll man über das Set sagen? Es war eine Zeitreise durch mehr als 50 Jahre Musikgeschichte. Routiniert und gut zusammengestellt, am Anfang ein paar Songs der 1960er Jahre, dann drei ausführliche Abstecher zu Lifehouse, Quadrophenia und Tommy, aufgelockert durch einige Hits wie You Better You Bet oder Eminence Front und zum Finale noch mal die beiden Kracher Baba O'Riley und Won't Get Fooled Again. Nichts Außergewöhnliches, eben genau das, was man zum Anschluss einer langen Karriere der größten Band der Welt noch mal hören und sehen will.

Was viele überraschte, war die Spielfreude der Band. Verstärkt mit sechs Musikern merkte man Townshend und Daltrey an, dass sie offenbar noch viel Spaß an der Sache haben. Bei Daltrey wusste man das schon immer, aber selbst Pete Townshend bearbeitete die Gitarre mit einer unglaublichen Wucht und Brillianz, dass man kaum glauben mag, dass er einst mit den Who nie mehr touren wollte. Die beiden scherzten, sprachen sogar ein wenig deutsch und verbreiteten jede Menge gute Laune und Enthusiasmus.

Das alles merkte man den Songs an. Nichts klang verstaubt, im Gegenteil, alles war gut arrangiert, und trotzdem gab es Platz für Improvisationen. Herausragend einmal mehr My Generation, in das Daltrey in Stuttgart in den Improvisationsteil die vor einigen Jahren übliche Cry If You Want Jam einbettete. Eine gelungene Überraschung. Höhepunkt ganz sicher Love Reign O'er Me, für das Daltrey an beiden Abenden Standing Ovations bekam. In Stuttgart nahm die Band schließlich Pictures of Lily aus dem Programm und ersetzte es durch Relay. Ein gelungener Tausch, auch wenn dadurch der Anteil der frühen Hits auf vier reduziert und Lifehouse noch mal zahlenmäßig aufgewertet wurde.

Erfreulich ist darüber hinaus, dass rund 18000 Fans die beiden Gastspiele der Who verfolgten. Beide Arena waren zwar nicht ausverkauft, aber sehr gut gefüllt. Und wer weiß, vielleicht kommen die beiden Altrocker 2017 ja noch mal wieder und präsentieren Tommy auch in Deutschland. Denn wer sie auf der Bühne sah, kann kaum glauben, dass hier nach wirklich Schluss sein soll.

Bilder

Zahlreiche Bilder und Links zu Konzertkritiken gibt es auf unserer Schwestersite The Who Concert Guide.

Oberhausen, 10. September 2016
Stuttgart, 12. September 2016

Auf der offiziellen Homepage von The Who gibt es die beiden Konzerte für 9,99 Dollar zum Herunterladen.