Maximum RockDie Biographie geht in die zweite Runde: Mit der Beschreibung der Jahre 1971 bis 1978 legt Christoph Geisselhart den zweiten Teil von Maximum Rock - Die Geschichte der verrücktesten Rockband der Welt vor. Im Mittelpunkt dieses Mal: der unaufhaltsame Niedergang und Verfall des Schlagzeugers Keith Moon, Streitigkeiten der Bandmitglieder untereinander und Petes Suche nach sich selbst.

Um es vorwegzunehmen: Maximum Rock ist zweifelsfrei die beste deutsche Biografie der legendären britischen Gruppe, die bisher auf dem deutschen Markt in deutscher Sprache erschienen ist. Auch der zweite Band von Christoph Geisselhart ist akribisch recherchiert, unglaublich detailliert und phasenweise überaus spannend geschrieben. Leicht verständlich schildert der Autor die Ereignisse zwischen 1971 und 1978, geht auf die Probleme mit Quadrophenia, die Differenzen der Bandmitglieder untereinander und Townshends Selbstzweifeln ein. Den Schwerpunkt bilden aber Keith Moons Eskapaden, bei deren Lektüre man selbst als Hardcore-Who-Fan, der vieles zu wissen glaubte, immer wieder mit dem Kopf schütteln muss.

Der neue Band hat rund 380 Seiten, und - wie erwähnt - ein Großteil dieser Seiten beschreibt sehr bildhaft Moons Ausraster, seine Alkohol-, Pillen- und Drogenexzesse. Vieles wiederholt sich, und so ist es ist irgendwann einfach ermüdend, immer und immer wieder Keith Moons fast schon idiotisches und selbstzerstörerisches Treiben vorgeführt zu kommen. Bei einigen Fakten fragt man sich darüber hinaus unweigerlich, ob ein Mensch das überhaupt aushalten konnte, beispielsweise wenn Keith bei Konzerten der Who Kortison gespritzt bekommen haben soll (in die Füße), während er trommelte, damit er die Shows nach 72 Stunden Party überhaupt durchstehen konnte. Der Autor gibt zwar die Quellen an, doch unglaubwürdig bleibt es. Es stellt sich gerade in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit bei diesen Passagen Mythos und Heldenverehrung mit den tatsächlichen Fakten vermischt werden. Immerhin soll Moon trotz dieser Treibens hunderte Konzerte auf zum Teil höchsten Niveau gespielt haben. Oder dienen diese Beschriebungen dazu, den - meines Erachtens viel zu reißerischen und daher unpassenden - Untertitel des Buches, dass The Who die verrückteste Band der Welt seien, zu stützen? Doch egal, ob es nun stimmt oder nicht, der von Keith Moon über Jahre hinweg konsumierte Mix aus Pillen und Alkohol muss vernichtend gewesen sein.

Schwächen zeigen sich bei einigen Einschüben zu den Platten der Band. Die Beschreibungen und Analysen der Alben sind sehr subjektiv, nicht alles ist logisch und klar. Darüber hinaus ist dieser zweite Band eher eine Biographie von Keith Moon, als ein Buch über die Who. Pete Townshend kommt zwangsläufig noch einigermaßen häufig vor, doch Daltrey und Entwistle finden eigentlich kaum statt. So werden die Soloalben Entwistles nur kurz gestreift, und Daltrey erscheint überwiegend als Retter der Rechte der Who. Es wird jedoch deutlich, dass scheinbar er die Gruppe zusammengehalten und ihr Vermögen gesichert hat.

Das alles hat aber natürlich seinen Reiz, und Geisselhart gelingt es sehr gut, die vier zum Teil völlig unterschiedlichen Charakteren der Band lebendig werden zu lassen. Ganz stark ist das Buch immer dann, wenn er Zusammenhänge erklärt, die Entstehungsgeschichten und Hintergründe der Platten aufführt und packend beschreibt. Es gibt ein paar interessante Fotos, viele Zitate aus der zeitgenössischen Presse sowie Kommentare von Who-Fans und Mitgliedern der Crew. Nicht fehlen dürfen Erklärungen der vier Bandmitglieder. Ein Interview mit Pete soll im dritten Band enthalten sein, das im Herbst dieses Jahres erscheinen soll.

Auch wenn die ersten zwei Bände trotz ihrer Fülle und trotz der kleinen Kritik sehr zu empfehlen sind, werden sicher nur Hardcore-Fans der Gruppe zugreifen. Denn mit Band drei kommen offenbar noch einmal 440 Seiten dazu, so dass die komplette Reihe über 1300 Seiten aufweisen wird. Eine Menge Lesestoff - sicher lesenswert, doch daraus ergeben sich Längen. Ist die Geschichte der Who wirklich so interessant? Daraus folgt zwangsweise, das dieser sagenhafte Umfang einigen Rockmusikfreunden, die sich für The Who interessieren, sicher viel zu viel sein wird.

Alles in allem: Auch bei diesem Band können Who-Fans bedenkenlos zugreifen.

Christoph Geisselhart:
The Who. Maximum Rock Band 2.
Von 1971 bis 1978

Originalausgabe Hannibal Verlag, Häfen, April 2009
Hardcover mit Schutzumschlag
Format 16 x 24 cm, 384 Seiten
D €24,90 / €25,60 / sFr 41.70
ISBN 978-3-85445-297-3